Dienstag, 18. Oktober 2016

Permakultur in Guatemala

 Der ein oder andere mag sich erinnern, dass ich zunächst auf einem Permakultur Hof arbeiten wollte, was sich ja dann zerschlagen hatte. Inzwischen hat Shad mich persönlich kennengelernt und mich eingeladen, auf seine farm zu kommen. Nun bin ich aber an der Schule und da bleibe ich auch erst mal.
Aber am Freitag war ich mit ihm und seinen Kursteilnehmern auf einem fieldtrip zu einer großen Kooperative, die seit 34 Jahren mit Permakultur arbeitet. Das war sehr beeindruckend.
In diesem wunderschönen Tal (auf der anderen Seite des Sees im Distrikt San Lucas de Toliman) entlang eines wild rauschenden Baches, der von unzähligen Quellen gespeist wird, haben sich ungefähr 70 Familien zusammen getan, um das Land biologisch, nachhaltig und effektiv zu bewirtschaften. Die Kinder haben das Land inzwischen von ihren Eltern übernommen und bringen viele innovative Ideen ein. Sie teilen das Land in drei ökologisch verschiedene Regionen ein. Den aquaristischen Teil am Bach, den darüber gelegenen feuchteren Abschnitt und den mit trockeneren Böden oberen Teil. 
Jede Familie hat eine Parzelle in jeder der drei Regionen.In der aquaristischen Zone wird vor allem Brunnenkresse angebaut, die sehr produktiv, täglich gerntet und auf den lokalen Märkten gut verkauft werden kann. Für den Anbau wird der Bach zum Teil aufgestaut. Das Problem: die alle paar Jahre wieder kehrenden Hurrikane, die alles zerstören. Danach werden alle Steine mit vereinten Kräften wieder an ihren Platz zurückgeschleppt.
Außerdem haben sie Fischteiche angelegt. Miguel hat auch hier eine Terrasierung ausprobiert - und es ist ihm gut gelungen. 
Für den Schatten und die Filterung wird der halbe Teich mit Wasserpflanzen bedeckt. Eine Bambusstange hält die Pflanzen zurück. Ein Teich enthält auch Schnecken für den Verzehr. Die Terassen wurden mit Bambuspflanzen, Yuccapalmenstecklingen und anderen Pflanzen angelegt. Das Problem bei den Fischteichen: Der Otter! Er frisst den gesamten Ertrag , so dass nur diejenigen noch weitermachen können, die sich einen ottersicheren Zaun bauen/ leisten können.
Im mittleren Teil der Anbau für die Versorgung der Familien mit perfekter Permakultur. Obstbäume, wie Papaya und Bananen als Schattenspender. Darunter einige Kaffeepflanzen als Mehrjährige, die Zeit brauchen, um groß zu werden. In gleicher Reihe Mais, zwischen den Reihen Chipilin, eine Leguminose, von der man die Blüten kochen und essen kann. An anderer Stelle auch Bohnen und Kürbis. 
 Auf den oberen, trockeneren Parzellen werden Kaffee und Bananen, sowie Platanos und auch Avocados und Mangos angebaut. Alles Früchte, die nur 1-2 mal im Jahr bewirtschaftet werden.
Mein Herz ist aufgegangen an diesem Tag bei so viel wundervoller Bewirtschaftung, strotzender Fruchtbarkeit und sehr viel Stolz in der Stimme Antonios, der uns durch die Anlage geführt hat.
Außerdem gab es noch drei kleine Schwimmbäder mit mehreren Pools, die durch die Quellen gespeist wurden zur Erholung für die Kinder und Familien.

Danach sind wir dann noch zum Institut Meso Amerika der Permakultur (IMAP) gefahren. 
Hier können die Campesinos, Landarbeiter, in Kursen lernen, wie man nachhaltig wirtschaftet, in Permakultur anbaut, Kompost Toiletten baut, und wie man selbst im kleinsten Innenhof Gemüse anbauen kann.
Auch diese Stelle war sehr beindruckend für mich.
Und das beste war dann, dass ich endlich Saatgut für den Schulgarten kaufen konnte, das ich vorher nirgends bekommen habe. Denn IMAP unterhält auch ein Saatgutbank für alte Sorten.

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