Sonntag, 30. Oktober 2016

Maisernte

Am Freitag waren wir mit der 2./3. Klasse auf dem "Maisacker" zur Ernte. Der "Acker" ist allerdings ein Stück Land auf dem Berg, an dessen Fuß die Schule liegt, in und entlang an einem kleinen, im Moment ausgetrockneten, Bachlauf - steinig, steil, schwer erreichbar und schwer zu bearbeiten.
Ausgerüstet mit 3 Körben, einem Beutel und 4 Macheten sind wir 18 Kinder und 4 Erwachsene los gestiefelt.
Da der Mais schon etwas zu reif war, mussten alle Kolben erst geprüft werden, ob sie noch als "elote" (Maiskolben zum sofortigen Verzehr) durchgingen und daher von uns geerntet werden konnten oder ob sie schon zu hart waren und daher noch etwas länger an der Pflanze reifen sollten, um dann später mais oder milpa zu ernten. 
Der Mais hat hier viele Namen. 
Das Gelände ist wirklich steil, steinig und gefährlich. 
Anweisung des Lehrers: Jeder nimmt sich eine Reihe vor (ich konnte nur selten wirkliche Reihen entdecken!), prüft an jeder Pflanze die Kolben, erntet diese gegebenenfalls und haut dann die Pflanze mit der Machete ab. 
Männer und Jungen tragen so

Wie der Junge auf dem Bild tragen die Männer die Lasten.
Ein Korb ist voll
Kolben weitergeben

So tragen die Frauen 
Er hat die Tasche extra für das Foto an seinen Kopf gehängt. Das war ihm offensichtlich total wichtig.
Kolben prüfen




Mit den Körben auf dem Kopf, den Berg runter!  Achtung Geröll! 

Ich hatte schon ohne etwas in der Hand Schwierigkeiten, wieder runter zu kommen.
stolze Ernte

Warten auf die Nachzügler

Heimweg zur Schule
Zur Frühstückspause: tacos con frijoles y queso y elote (mais) - selbstgeerntet!

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Fundraising


All diese Kinder brauchen jemanden, der für sie das Schulgeld bezahlt. 

 In den letzten zwei Wochen habe ich viele, viele Photos von den Kindern gemacht.


Zum größten Teil für die reports, die an die Spender der Bildungspatenschaften gehen,
aber auch für den Internetauftritt der Schule.

Im Büro arbeiten 4 Leute, die zu sehr großen Teilen damit beschäftigt sind, Geld für die Schule zu beschaffen.

Fundraising in den USA, in Deutschland,
Aber auch Schulgeld vor Ort, das zum größten Teil bar bezahlt wird oder eben gar nicht bezahlt werden kann.

Einige Daten: kein Geld vom Staat

Schulgeld: monatlich 250 $ für die Ausländer,  9 $ für die Mayas
Essensgeld: 25 $ monatlich für ein Mittagessen - das leisten sich im Moment 20 von 50 Schulkindern. Letztes Jahr war das noch im Schulgeld inbegriffen, musste aber aufgrund der fehlenden Finanzen gestrichen werden.
Gehalt: 480-550 € im Monat

Also auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: jede Spende hilft, egal wie hoch!
Vielleicht hat ja auch noch einmal eine Klasse Lust, Kuchen zu backen und zu verkaufen.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Fortsetzung "Meine Schulaufgaben"

Handarbeit / Nacho


Die meiste Zeit in der Schule helfe ich Nacho, 1. Klass- und Handarbeits- Lehrer, beim Handarbeitsunterricht.
 Da er zwei jahrgangsübergreifende Klassen hat, arbeiten die Schüler auch tatsächlich an zwei verschiedenen Projekten. Das ist vor allem in Klasse 4/5 mit 18 Schülern, Kreuzstich und Socken ziemlich aufwendig.
Die Schüler sitzen auf sehr kleinen Hockern im Kreis. Wenn einer eine Frage hat, muss er sich melden und warten, bis er ihn aufruft. Das kann ewig dauern. Dadurch, dass ich gerade hier bin, hat sich diese Situation gerade ziemlich gut verbessert. Gut, dass ich so oft bei Eva helfen durfte und alle Klassen 1-5 schon durchgemacht habe. Denn er wollte nun auch noch eine umfangreiche Beratung für alle Jahrgangsstufen. (Also Eva: Ich werde mich noch mal bei dir melden!)
Am liebsten würde Nacho gerne in Deutschland die Ausbildung zum Waldorf-Handarbeitslehrer machen. Leider hat er dazu weder das Geld, noch spricht er englisch oder deutsch.

Nacho: zwischen 30 und 35 J. , Frau, 3 Kinder zwischen 14 und 4,
Er war immerhin 14 Jahre in der Schule. Ein Jahr hat er wiederholt. Die letzten 3 Jahre zählten schon als Studium. Da hat er Musiklehrer studiert.
An der Waldorfschule hat er die 1. Kl. , Handarbeit 1-5 und Musik.
Sein Vater ist Schneider. Er hat schon als Kind gerne Handarbeit gemacht. Nacho hat mir erzählt, wie die Handarbeit auf die Geschlechter aufgeteilt ist. Die Männer häkeln Umhängetaschen und nähen. Die Frauen machen alles, aber hauptsächlich Stickereien und das Weben. Er wollte immer alles können und hat sich sowohl von seinem Vater als auch seiner Mutter alles zeigen lassen, erzählt er mir nicht ohne Stolz in seiner Stimme.
Nacho hat das erste mal eine erste Klasse, er hat die Waldorfausbildung in Mexico noch nicht vollendet und hat die Klasse auch nur übernommen, weil es hier einfach keine Lehrer gibt, weder mit noch ohne Waldorfausbildung, die als Waldorflehrer vorstellbar sind. Er macht seinen Job super! Aber ich möchte nicht wissen, wie lange er durchhält. Da das Waldorfgehalt nicht ausreicht, muss er noch nebenbei arbeiten. Er hat auch noch Bienen und verkauft Honig und näht Waldorfpuppen, die er in Mexiko am Seminar verkauft.
 UND Samstag fährt er noch in das 2 Stunden entfernte Xela, um Psychologie zu studieren, weil ihn das so interessiert. Immerhin kostet ihn das nichts,  weil er ein Stipendium dafür hat.

Klassenspiele

Nacho habe ich auch bei seinem Klassenspiel "Die goldene Gans" geholfen.

Es wurde eine gelungene Sache.

Jetzt helfe ich Erwin in 2/3 mit Fransisco von Assisi.

Montag, 24. Oktober 2016

Skorpione, Ameisen und Grillen


So lieber Moritz und liebe Diana,
nun hatte ich alles an einem Abend!
Erst eine zerfledderte, weil von der Katze gefangene Riesengrille im Wohnzimmer.
Danach, als ich ins Bett gehen wollte, 1000 Ameisen auf dem Nachttisch, weil ich dort etwas Essbares abgelegt hatte.
Und zu guter Letzt einen niedlichen kleinen Skorpion unter der Bettdecke!
Gott sei dank hatte ich eine Vorahnung und habe, zum ersten mal übrigens, das Bett vorher abgesucht, bevor ich mich hinein gelegt habe. Einen großen Dank an meinen Schutzengel, der mir offensichtlich eine Eingebung geschickt hat.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Was mach ich denn jetzt eigentlich in der Schule?

Gartenbau, Handarbeit, Epochenberatung, Klassenspiel Beratung,  Fundraising

Gartenbau
2./3. Klasse

6. Klasse
 Gartenbau findet in allen 6 Klassenstufen statt. Da es vier Klassen sind, also an vier Wochentagen, jeweils 60-90 Minuten im Hauptunterricht.

Die 1. Kl. pütschert ein bisschen in den Beeten vor dem Klassenraum herum.
Die 2./3. Kl. und die 4./5. Kl. haben Gemüsebeete. Der Klassenlehrer der 2./3. Kl. hat schon als Kind mit seinem Vater die Böden bestellt (anstatt zur Schule zu gehen), und weiß daher, was er tut.  Allerdings ist er mit seinem Epochenunterricht bereits derart gefordert, dass er keine Zeit hat, irgendetwas für den Garten vorzubereiten. Als Saatgut gibt es nur Radieschen. Daher werden Radieschen gesät. Da er hier sicheres Terrain vor sich hat, fragt er mich auch nicht um Hilfe. Ich stehe also eher nur daneben.
Der 6. Klasslehrer ist auch nur 3 Jahre zur Schule gegangen und musste danach seinem Vater auf dem Feld helfen. Er weiß also auch was er tut. Er versucht eine neue Fläche vor dem 6.Klasszimmer zu schaffen. Mit 6 Schülern gräbt er einmal im der Woche tausende von kleinen und großen Steinen aus dem Boden, den einer dieser vielen Vulkane mal hierher geschleudert hat. Eine mühsame Aufgabe, bei der er meine Hilfe eigentlich auch nicht benötigt.
2./3. Klasse
Am meisten Hilfe braucht die Lehrerin aus der 4./5. Klasse. Sie hat 18 Kinder, kommt aus der Stadt und freut sich, dass endlich jemand für sie den Gartenbauunterricht vorbereitet. Inzwischen habe ich es geschafft, Saatgut zu kaufen (siehe Blog Permakultur) und lege jede Woche mehr Beete mit dem Kindern an, kümmere mich mit ihnen um den Kompost, säe sowohl in den Beeten, als auch in Jogurthbechern und pikiere auch in solche. Wir ernten Oregano und trocknen ihn,  essen Salat, schauen uns Radieschen als Blütenpflanze an und so weiter. Richtiger Gartenbauunterricht sozusagen.

Meine Verständigungsschwierigkeiten wegen des immer noch nicht perfekten Spanisch sind dabei für mich weniger das Problem als die mangelnden Geräte. Es gibt weder Spaten noch Grabegabeln! Wir haben 3 Schaufeln, die man ein bisschen wie Spaten benutzen kann, da sie nicht abgeplattet sind und ansonsten noch 3 Kindergartenspielzeugspaten. Der "(all)gemeine" Guatemalteke, bzw eventuell auch nur die Mayas - ich weiß es nicht so genau - benutzt eine Spitzhacke, die auf einer Seite spitz, auf der anderen Seite etwas flacher ist, dazu schwer und eben eine Hacke. Es gibt auch noch 3 Kinderhacken, mit denen lockern die Kinder die Beete.

Dieses Problem kann ich aber auf die Schnelle nicht lösen. Erstens müsste man zur Beschaffung anderer Geräte sicherlich in die Hauptstadt fahren, wo es so gut wie als gibt. Zweitens fehlt es an Geld.
Noch ist das nötige Geld, um am Ende des Schuljahres auf eine positive Bilanz zu kommen, noch nicht drin. Allerdings fast, unter anderem durch die Spenden zu meinem Geburtstag! Da sind inzwischen 470 € eingegangen!  Vielen, vielen Dank!
Trotzdem auch hier noch mal der Aufruf: Wer zu Weihnachten etwas sinnvolles verschenken will, kann gerne einen "Bildungsgutschein" basteln und über die Freunde der Erziehungskunst Geld an die Schule überweisen. Denn bevor nicht die Gehälter (ca 500 -600 €/Monat) gesichert sind, werde ich bestimmt nicht auf die Idee kommen, die Anschaffung von Geräten vorzuschlagen.

Ackerbauepoche

Ein wirkliches Highlight ist die Ackerbauepoche mit Erwin, 2./3. Klasse.

Auf einem Grundstück seiner Eltern, rund um einen Bachlauf, der gerade trocken ist, 10 min Fußweg von der Schule, den Berg rauf, hat er mit seiner Klasse Mais angebaut.
Ich bin stark beeindruckt!

Dienstag, 18. Oktober 2016

Permakultur in Guatemala

 Der ein oder andere mag sich erinnern, dass ich zunächst auf einem Permakultur Hof arbeiten wollte, was sich ja dann zerschlagen hatte. Inzwischen hat Shad mich persönlich kennengelernt und mich eingeladen, auf seine farm zu kommen. Nun bin ich aber an der Schule und da bleibe ich auch erst mal.
Aber am Freitag war ich mit ihm und seinen Kursteilnehmern auf einem fieldtrip zu einer großen Kooperative, die seit 34 Jahren mit Permakultur arbeitet. Das war sehr beeindruckend.
In diesem wunderschönen Tal (auf der anderen Seite des Sees im Distrikt San Lucas de Toliman) entlang eines wild rauschenden Baches, der von unzähligen Quellen gespeist wird, haben sich ungefähr 70 Familien zusammen getan, um das Land biologisch, nachhaltig und effektiv zu bewirtschaften. Die Kinder haben das Land inzwischen von ihren Eltern übernommen und bringen viele innovative Ideen ein. Sie teilen das Land in drei ökologisch verschiedene Regionen ein. Den aquaristischen Teil am Bach, den darüber gelegenen feuchteren Abschnitt und den mit trockeneren Böden oberen Teil. 
Jede Familie hat eine Parzelle in jeder der drei Regionen.In der aquaristischen Zone wird vor allem Brunnenkresse angebaut, die sehr produktiv, täglich gerntet und auf den lokalen Märkten gut verkauft werden kann. Für den Anbau wird der Bach zum Teil aufgestaut. Das Problem: die alle paar Jahre wieder kehrenden Hurrikane, die alles zerstören. Danach werden alle Steine mit vereinten Kräften wieder an ihren Platz zurückgeschleppt.
Außerdem haben sie Fischteiche angelegt. Miguel hat auch hier eine Terrasierung ausprobiert - und es ist ihm gut gelungen. 
Für den Schatten und die Filterung wird der halbe Teich mit Wasserpflanzen bedeckt. Eine Bambusstange hält die Pflanzen zurück. Ein Teich enthält auch Schnecken für den Verzehr. Die Terassen wurden mit Bambuspflanzen, Yuccapalmenstecklingen und anderen Pflanzen angelegt. Das Problem bei den Fischteichen: Der Otter! Er frisst den gesamten Ertrag , so dass nur diejenigen noch weitermachen können, die sich einen ottersicheren Zaun bauen/ leisten können.
Im mittleren Teil der Anbau für die Versorgung der Familien mit perfekter Permakultur. Obstbäume, wie Papaya und Bananen als Schattenspender. Darunter einige Kaffeepflanzen als Mehrjährige, die Zeit brauchen, um groß zu werden. In gleicher Reihe Mais, zwischen den Reihen Chipilin, eine Leguminose, von der man die Blüten kochen und essen kann. An anderer Stelle auch Bohnen und Kürbis. 
 Auf den oberen, trockeneren Parzellen werden Kaffee und Bananen, sowie Platanos und auch Avocados und Mangos angebaut. Alles Früchte, die nur 1-2 mal im Jahr bewirtschaftet werden.
Mein Herz ist aufgegangen an diesem Tag bei so viel wundervoller Bewirtschaftung, strotzender Fruchtbarkeit und sehr viel Stolz in der Stimme Antonios, der uns durch die Anlage geführt hat.
Außerdem gab es noch drei kleine Schwimmbäder mit mehreren Pools, die durch die Quellen gespeist wurden zur Erholung für die Kinder und Familien.

Danach sind wir dann noch zum Institut Meso Amerika der Permakultur (IMAP) gefahren. 
Hier können die Campesinos, Landarbeiter, in Kursen lernen, wie man nachhaltig wirtschaftet, in Permakultur anbaut, Kompost Toiletten baut, und wie man selbst im kleinsten Innenhof Gemüse anbauen kann.
Auch diese Stelle war sehr beindruckend für mich.
Und das beste war dann, dass ich endlich Saatgut für den Schulgarten kaufen konnte, das ich vorher nirgends bekommen habe. Denn IMAP unterhält auch ein Saatgutbank für alte Sorten.

Montag, 17. Oktober 2016

Besuch bei Juanita

Juana in der Schule
Küche, Lebensraum, Wohnzimmer


 Neulich war ich bei Juanita zum Mittag eingeladen, weil ihre Eltern so dankbar sind, dass ich mit einer Bildungspatenschaft das Schulgeld ihrer Tochter unterstütze. Juana ist eine der 60 Mayakinder (von 80 Kindern), die in der escuela caracol zur Schule bzw. in den Kindergarten gehen.
In der Region um den Atitlan-See wohnen, außer den Ausländern aus Europa und den USA, die sich hier niedergelassen haben, zum allergrößten Teil Guatemalteken, die direkt von den Mayas abstammen - also Mayas sind. Diese leben in recht unterschiedlichen Verhältnissen, aber zum allergrößten Teil in recht ärmlichen.
Juanas Famile verdient ihr Geld damit, ein riesengroßes Seegrundstück und ein wunderschönes überdimensional großes Ferienhaus zu pflegen und zu bewachen, das einer guatemaltekischen Familie (mit einem Kind) aus der Hauptstadt gehört. Die Familie kommt jedes zweite Wochenende.
Dafür hat diese großzügige Familie eine kleine Wohnstatt (ich traue mich nicht, Haus zu schreiben) in der Ecke ihres Grundstücks gebaut, in der Juanas Familie wohnen darf. Juana hat noch zwei kleine Brüder.
Auf dem Bild oben seht ihr den einen der zwei Räume. Ich sitze auf der gegenüberliegenden Seite. Der Raum ist ungefähr 4x3 m groß und hat eine große Küchenhexe und den Tisch, den ihr dort seht. Es gibt genau 3 Stühle. An diesen Raum grenzt noch eine Speisekammer von 1x4m.
Daneben gibt es einen weiteren Raum mit gleichen Abmaßen - darin steht ein Einzelbett für den Sohn und ein Doppeletagenbett für die Eltern unten mit hängender Wiege vom oberen Bett für das Baby und für Juana oben,  wo sie auch ihre sämtlichen Schulsachen hat. Zwischen den Betten ist ein kleiner Durchgang zum 4qm großen Badezimmer. Das einzige weitere Möbelstück ist ein Regal von 1,20x1,20x30cm. Vor den zwei Räumen ist ein Balkon von 1m Breite, der den Zugang zum Haus bildet. Hinter dem Gelände geht es ca 50 m steil in die Tiefe zum See.
Der Ausblick ist fantastisch, der Lebensraum, wenn es regnet oder dunkel ist und wenn die Stadtleute da sind,  unglaublich beengend. Und noch sind die Kinder klein.

Sind die Besitzer nicht da,  darf die Familie das ganze Grundstück betreten und damit auch den Steg am See.

Mit diesem Job lebt die Familie im Vergleich zu anderen Familien schon ziemlich gut und dennoch fällt es ihnen schwer pro Monat, die 9 € Schulgeld, die die Mayas nur zahlen müssen,  die 25 € Essensgeld und den Transport zur Schule (ca 25-50€) aufzubringen.

Bis zum letzten Jahr konnte durch die Spendengelder auch ein Schulessen bezahlt werden, aber das ist im Moment nicht mehr möglich.
Franzisco, Juanas Papa hat mir anvertraut, dass sie nicht wissen, ob sie Juana nächstes Schuljahr (beginnt im Januar) noch auf die Waldorfschule geben können, weil sie nicht wissen, wie sie das Geld aufbringen sollen, obwohl sie die Schule überaus schätzen.
(Zum Schulsystem schreibe ich noch einen eigenen Blogbeitrag.)

Wer sich für eine Bildungspatenschaft interessiert, kann auf der Seite der Freunde der Erziehungskunst, freunde-waldorf.de nähere Informationen finden.

Als ich zum Mittag war, waren außer mir noch die Großmutter, der Cousin von Fransisco, seine Schwester und seine Nichte zu Besuch. Außer der Großmutter haben alle auf dem Balkon gestanden oder dort auf dem Boden bzw der Türschwelle gesessen.
Mittag gab es auch nur für die Kernfamilie, die Großmutter und mich.

Das war ein sehr interessanter Einblick in das Leben einer Mayafamilie.

Sonntag, 16. Oktober 2016

Vulkanausbruch, Gravitationsanomalie und Erdbeben



Alles an einem Tag!
Gestern begann der Morgen früh, was mir die Gelegenheit gab, den roten Sonnenaufgang zu sehen. Und mitten zwischen den Wolken aufsteigende warme Luft. Genau da liegt der Fuego, einer der noch aktiven Vulkane Guatemalas. (Heute abend bei der schönen Vollmondnacht am Lagerfeuer hat er sogar Lava gespuckt, rot leuchtend in die Nacht.)
Am Nachmittag war ich mal wieder mit einem Pick-Up unterwegs, diesmal auf  Permakultur-Tour  (dazu kommt ein eigener Blog Beitrag). Irgendwo auf der Straße zwischen San Lucas de Toliman und Santiago erreichen wir eine Stelle, wo die Straße ganz offensichtlich bergab geht. Unser Pickup bleibt stehen, stellt den Motor in den Leerlauf und das Auto rollt rückwärts den Berg hoch. Gravitationsanomalie!  Ungläubige Gesichter - optische Täuschung? Wir probieren es mit Wasser, das wir auf die Straße gießen, die wirklich bergab geht. Das Wasser rollt langsam, aber sicher den Berg hoch!
Ich hab natürlich inzwischen danach gegoogelt. Die Stelle hier in Guatemala wird nirgends erwähnt, dafür viele andere Orte auf der Welt. Die Ungläubigen gehen von einer optischen Täuschung aus. Ich kann nur sagen, ich weiß nicht, wie an dieser Stelle eine Täuschung vorgelegen haben soll. Für mich verlief die Straße eindeutig abwärts.
Es war nicht hier, aber ein paar km weiter

Auf dem Pickup 
Am Abend kam dann noch der passende Abschluss. Ich sitze auf meinem Bett und nähe meinen Rock, als auf einmal das Bett anfängt zu wackeln. Ein leichtes Erdbeben schüttelt das Haus. Bevor ich das Wort Erdbeben denken kann, ist es auch schon wieder vorbei.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Noch mal umgezogen

Nachdem ich am Wochenende mit dem Wächter in der Schule Ärger hatte, weil er meinte, es wäre zu spät, wenn ich um 21:00 nach hause käme, bin ich noch einmal umgezogen.
Jetzt wohne ich bei einer Schulmutter mit ihren zwei Töchtern (13, 8) in einem wunderschönen Haus direkt am See, direkt in San Marcos.
Und ich fühle mich endlich wohl und angekommen. Mit ihr mache ich im Hostel nebenan morgens Yoga, nachmittags gehe ich im See schwimmen und dazwischen ein bisschen Schule.
Wohnzimmer und Küche
Blick von der Terasse
Auf dem Weg von hier zur Schule

Samstag, 8. Oktober 2016

Wocheneinkauf für die Schulküche mit Theresa

Theresa, 36, zwei Kinder (20 und 16), ist die Schulköchin.

Jeden Samstag fährt sie auf den Markt nach Santa Clara, um für die kommende Woche einzukaufen. Ein Markt für Einheimische (ich war die einzige weiße und blonde Person dort).

Wir fahren erst mit einem tuktuk, ein Moped mit Dach und Sitzbank für 3 Personen,  nach San Pablo - 4 km, ca. 10 min wegen der Steigungen und der Schlaglöcher.
Danach steigen wir um in einen Pickup, also auf die Ladefläche natürlich.  Mit 17 Erwachsenen und einem Kind, zurück noch mit den Einkäufen,  stehend auf der Ladefläche - in der Mitte befindet sich eine Stange zum festhalten - schrauben wir uns die 6 km um 400 m nach oben.
Imposante Ausblicke auf den See,  die ich leider nicht fotografieren konnte.
Dann: ein Schlagloch (die Straße besteht nur aus Schlaglöchern) - die Frau vor mir wird nach oben geschleudert, ihre Schulter trifft meine Brille, und....
The worst case ist eingetroffen!

Aber Theresa, ganz cool: "Sowas passiert, das reparieren wir."

In Santa  Clara angekommen, läuft sie in den nächsten kleinen Kramladen, kauft für 1Q (12ct) eine Tube Sekundenkleber und klebt meine Brille. Nicht schön,  aber wenigstens kann ich nun auch die verbleibenden 5 Monate noch lesen. :-)
Auf dem Markt sehe ich zu 80 % Frauen.  Sie sitzen auf dem Boden und verkaufen ihr Gemüse und alles andere - natürlich auch Hähnchen, Fisch,  Fleisch - frisch geschlachtet, und kaufen ein.
Theresa lässt ihren Korb am Rand auf einem Mäuerchen stehen, läuft dann mit einer großen Tasche von einem Stand zum anderen,  immer wieder zurück zu ihrem Korb,  alles abladen. Als sie fertig ist, kommt alles in einen großen Sack,  das Empfindliche in den Korb. Sie ruft einen Jungen herbei, der kommt mit Sackkarre und fährt unseren Einkauf zur Pickup-Haltestelle. Dann geht's wieder zurück. Im Schneckentempo die Schlaglochserpentinen hinunter - 25min/6 km.
An der Stelle, wo der Schulweg von der Straße abzweigt, steigen wir aus dem tuktuk und ich hole Juan (einer der Wächter der Schule), der uns hilft den tonnenschweren Sack nach oben zur Schule zu tragen. (Vom Markt habe ich keine Bilder. Da die Indios sich wirklich nicht gerne fotografieren lassen,  muss man wohl selber herkommen, um diese Farbenpracht zu erleben.)
Der Schulweg 
Schuleingangstor