Montag, 7. November 2016

Markttag in Chichicastenango

Heute bin ich mit Anna nach Chichicastenango zum größten aller Märkte in Guatemala gefahren. Da war ich schon mal vor 27 Jahren. Ich kann mich sogar noch bildlich daran erinnern, wie ich dort damals Bananen gekauft habe und mir jemand anschließend sagte, ich müsse handeln, sonst versaue ich die Preise. Und ich damals gedacht habe, die Bananen sind so billig, selbst für den erhöhten Preis, da kann ich nicht noch handeln, wenn ich die ganze Armut hier sehe.
Was hat sich seitdem geändert?

Als erstes die Fahrt dorthin. Damals bin ich noch mit einer Camionetta gefahren, einer, der in den USA ausrangierten Schulbusse, die immer noch als öffentliche Busse fungieren. Allerdings werden sie heutzutage fast nur noch von den Einheimischen genutzt.
Wir fahren mit einem bestellten Shuttel, der uns um halb acht in San Marcos abholen soll.
Um Viertel vor acht kommt jemand und erzählt uns, dass er uns mit dem tuktuk ins nächste Dorf bringt. Dort warten wir bis Viertel nach acht, dann kommt der Shuttel und wir warten weitere 10 min. auf weitere Touristen. 1 1/2 Stunden später sind wir in Chichi. (Ich habe also NUR eine Stunde gewartet -anstatt 2-5 Std. - und bin dann rel. schnell und vor allem bequem in einem Minivan gefahren.)

Dort angekommen, habe ich mich gefragt, wo denn die Kirche ist. Damals fand der Markt auf dem Platz vor der Kirche auf dem Boden statt.
Inzwischen gibt es Verkaufsstände in Massen und wie man auf dem oberen Bild sieht, kann man die Kirche erst sehen, wenn man kurz davor steht.

Was sich nicht geändert hat:
Die Kirche steht immer noch, seit 1540, auf den Stufen eines alten Mayatempels. Auf diesen Stufen wird immer noch, wie zu vorkolumbianischer Zeit, Kopalharz verbrannt und den Göttern geopfert.
Altar mit rauchendem Kopalharz
Weihrauchschwenkende Indigena
Es werden Blumen und anderes angeboten, die für die verschiedenen Mayazeremonien, auch in der Kirche, gebraucht werden.
Um die Mayas überhaupt in die Kirche zu bekommen, ließen sich die Missionare damals auf diesen Kompromiss ein - mit Erfolg. Denn heute sind die meisten Mayas katholisch.
In der Kirche

Der Markt ist inzwischen nicht mehr nur auf den Platz vor der Kirche und den dorthin führenden Straßen beschränkt, sondern breitet sich weit aus. Zum Teil auch in einem Wirrwarr von überdachten Gassen.
Es erinnert mich an Jerusalem und Marakesch.

Anna vor einem Stand
Gewürze














Das Handeln ist inzwischen in den zunächst genannten, viel zu hohen Preisangaben einkalkuliert. Meine Einstellung dazu, gegebenenfalls auf's Handeln zu verzichten, um die Person zu unterstützen, ist geblieben. Wie z. B. bei diesem Gürtel, der sogar bereits getragen aussieht, den angeblich ihre Mutter gewebt und gestickt hat, die 95-jährig neben dem Stand auf dem Boden sitzend ihr Mittag isst. Der genannte Preis war 6,15€. 
Die Frau ist 48 und ich stehe nicht auf einem Podest!
Sie erzählt mir noch, dass ihre Tante 120 Jahre alt geworden ist und bis auf die letzten 10 Tage noch gut zu Fuß war. 

Ich sitze für mein Mittagessen auf einer Bank in diesem Comedor. Es gibt gegrillten Fisch, Reis, Salat und grüngraue tortillas. Dazu scharfe Chilli. Sehr lecker! Aber meine Banknachbarn lachen, als ich zur Wasserflasche greife, nachdem ich mir die Chillis auf meinen Reis getan habe. :-)
Um zwei ging es wieder zurück. Was für ein schöner Tag.

2 Kommentare:

  1. Liebe Grüße aus dem nasskalten Schwerin! Wir schauen uns gerade im kleinen Lehrerzimmer deinen Blog an und staunen über die fantastischen Fotografien!

    Moritz

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  2. Oh wie schön, dass ihr an mich denkt!

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