Als letzte gemeinsame Aktion mit Christian, bevor er übermorgen wieder nach Hause fliegt, besteigen wir noch einmal den Pacaya, neben dem Fuego einer der aktiven und gefährlichsten Vulkane Guatemalas. Diesmal bei bestem Wetter und natürlich wieder mit demselben Guide, Walther, wie vor 3 Wochen.
Nach kurzem anstrengenden Aufstieg gelangen wir auf eine Freifläche oberhalb der Waldzone. Davor, also innerhalb der Waldstufe und innerhalb des Nationalparks, der den Pacaya umgibt, läuft man gelegentlich entlang von Maisfeldern und Pferdekoppeln. Es gibt auch einige Lichtungen links und rechts, wo ganz offensichtlich Bäume entnommen wurden. Man erkennt es an den in kniehohen Stümpfen, die mit Macheten bearbeitet wurden. Walther erzählt, dass das schon immer so war und "nur" die Einheimischen aus dem angrenzenden Dorf ihren Mais anbauen und Brennholz holen. Und die Pferde, die die gehfaulen Touristen nach oben befördern (sog. "Naturtaxis"), müssen schließlich auch Futter bekommen. Hier ist es ganz normal, dass in geschützten Gebieten die Natur fast so wie außerhalb genutzt wird.
Die Sicht von oben, ca. 250m unterhalb der eigentlichen Spitze, ist fantastisch. Man sieht die anderen Vulkane, den Fuego, den Acatenango und den Agua, den Amatitlan-See und Guatemala-City.
| Links der Fuego, rechts der Agua |
| Furchtlos am Pacaya |
Der Fuego macht uns den Gefallen und stößt ein paar Aschewolken in den Himmel: Ein bildschöner Kegel mit wechselnden "Krönchen". Ganz nach oben gehen wir dann nicht mehr und das ist auch gut so, denn der ständige Dampf und Rauch da oben ist irgendwie furchteinflößend.
Und dann gibt es noch eine weitere guatemaltekische Besonderheit: Keine zwei Meter vom frischen Lavafeld vom großen Ausbruch 2014 steht eine primitive Hütte mit Wellblech, der "Lava-Store". Hier verkauft ein junger, engagierter Ladino Schmuck und Kunsthandwerk, der aus Lavagestein hergestellt wird. Sehr geschickt und geschäftstüchtig, denn der außergewöhnliche Standort verspricht gute Umsätze. Es gibt angeblich auch nur drei Orte weltweit, an denen Lavaschmuck hergestellt wird. Island, Lanzarote und hier.
Es werden mal wieder ein paar Weihnachtsbesorgungen getätigt, der Schmuck ist aber auch wirklich schön.
Danach werden ein paar Schritte weiter Marshmallows gegrillt, sozusagen auf dem Lavagrill. Man muss nur ein paar Steine beiseite räumen, und schon wird es verdammt heiß.
| "Ja, schmeckt ausgezeichnet. .." |
Zwei Tage vor diesem Ausflug hatten wir erlebt, was es bedeuten kann, in unmittelbarer Nähe zu aktiven Vulkanen bzw. auf einem plattentektonischen Hotspot zu leben. Um ca. 5.30 Uhr nachts sind wir plötzlich von einem Erdbeben geweckt worden. Das Haus wackelte ordentlich und schepperte wie ein alter Omnibus, der viel zu schnell über Kopfsteinpflaster rast. Am nächsten morgen war in allen Zeitungen zu lesen, dass wir ein Beben der Stärke 5,5 erlebt hatten, dessen Epizentrum nur wenige Kilometer von Antigua entfernt war. Man konnte es noch in Honduras und El Salvador spüren.
Einen Tag später haben wir uns in Antigua umgesehen und die ehemaligen Kirchen, Klöster und Kathedralen besucht, die bei den historischen Beben von 1717 und 1773 zerstört wurden. Wenn man die riesigen Ruinen und Trümmer sieht, die aus guten Gründen nie wieder aufgebaut wurden, bekommt man ein ganz anderes Gefühl für die immense Gewalt, die ein Erdbeben verursachen kann. Wir jedenfalls wollen nicht dabei gewesen sein, als diese "Strafe Gottes" alles dem Erdboden gleich machte.
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| Christian auf 300 J. alten Trümmern |

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