| Chichicastenango |
Wir lassen uns in der Kirche erklären, wie die Mayas ihren Glauben praktizieren. Dazu gehören viele Kerzen und Aguadente. Vor dem auserwählten Schutzpatron kniet man sich auf blanken Knien hin, entzündet 5 bis 15 dünne Kerzen und stellt diese auf eine Holzplatte eng aneinander auf. Der hochprozentige Aguadente wird dazwischen gesprenkelt, begleitet von inbrünstigen Gebeten.
Uns wundert, dass die Kirche immer noch nicht abgebrannt ist, bei so vielen Brandbeschleunigern. Immerhin sind die Wände und die Decke des Hauptschiffes rußgeschwärzt. Der Copalrauch mischt sich mit Kerzenqualm und verbreitet eine eigenartige benebelte Stimmung.
Ich bin froh, als wir die Kirche verlassen und uns in locker-lustigen Verhandlungen unsere Jagdobjekte sichern.
Joana wollte unbedingt noch ein Huipil erstehen, das ist das traditionelle Oberteil der Indigena-Frauen. In vorsichtigen Vorgesprächen wird erst mal die Lage gecheckt und ein Gürtel mit bunten Blumenmuster gekauft. Wie es so kommt, wird aus einem Gürtel noch schnell ein zweiter gefunden. Und wie es der Zufall so will, finde auch ich ein schmuckes Bändchen für meinen Hut. Immerhin wirkt sich ein Sammelkauf günstig auf den Preis aus. Josepha ist die Verkäuferin, und sie stellt uns noch ihre alte Mama vor, die schräg gegenüber in der Ecke auf Stoffballen sitzt.
Wir treffen auch noch auf ihre Freundin Manuela. Und die schleppt uns in ihr Depot, sucht weitere Huipiles hervor. Schließlich steht Joana vor einer großen Auswahl, probiert in aller Ruhe auf der Straße vor dem Marktstand aus, während ich neben Mama sitze und mir ein Brot mit Avocado teile.
Joana zeigt sich auch an wirklich schönen Tischdeckchen interessiert, was sofort
weitere Verkäuferinnen mit ihren Sachen anlockt. Wir verhandeln über Preise und können uns nicht so recht einigen, also noch ein Plausch über echte Handwerksarbeit und Industriewaren und deren Unterscheidung, und endlich sind wir uns dann einig. Wie man sieht, ein gelungenes Kombinationsgeschäft, denn alle lachen auch noch am Ende.
Am Ende waren unsere Rucksäcke voll, die Taschen leer und wir hatten einen erlebnisreichen Tag in Chichi verbracht.
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